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Muttersein und ADHS



"ADHS haben ist wie versuchen, in einem Jahrmarkt von A nach B zu kommen, ohne sich von den Angeboten ablenken zu lassen." Tab


Das Mutter-Sein hat mich schon immer sehr herausgefordert, besonders die Kleinkindphase. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, so kann ich mir vorstellen, dass es viel mit dem Thema Struktur zu tun hatte. Ich glaube, als ADHS-Mutter leisten wir bereits einen Kraftakt, um das Leben überhaupt im Griff zu haben mit all den Strategien, die wir uns zurecht gelegt haben. Struktur und Strategie helfen uns sehr. Bekanntlich bleibt bei Frauen ADHS häufig länger oder eher unbekannt, weil sie tendenziell angepasster sind und sich schon als Kinder häufig Strategien zulegen.

Eine besonders grosse Herausforderung sehe ich persönlich im "eine Aufgabe durchziehen". Man will von A nach B. Beispiele:

  • Mittagessen kochen

  • Etwas im Keller holen

  • Einen Workout machen

  • Einen Blogpost schreiben

Die Linie von Beginn bis Ende der Durchführung möchte ich vergleichen mit einem Gang, der durch einen Jahrmarkt führt. Du willst das Ziel erreichen, es gibt auch einen Weg, jedoch ist er gesäumt von lauten, bunten, ablenkenden Reizen. Und ganz wichtig: Du weisst nie, wenn jemand deinen Weg kreuzt. Passiert dies, so können unterschiedliche Dinge passieren:

  • Du verlierst die Orientierung

  • Du bleibst an einem der Stände stehen

  • Du vergisst, was du tun wolltest

  • Du gehst in eine andere Richtung und nicht mehr von A nach B!

Ich glaube, ich habe deshalb für mich eine "Gring ache u secklä"-Strategie entwickelt, auf deutsch: (Kopf runter und rennen). Ich versuche dann, alles andere auszublenden oder mit Gewalt an den Rand des Bewusstseins zu drängen. Das kostet enorm Kraft. So versuche ich z.B. Eisern an diesem Blogpost hier dranzubleiben und meinen Sohn, der singend durchs Haus läuft zu ignorieren (könnte ich ja, ist einfach laut und prioritär in meinem Kopf). Bin ich mitten in einem Satz und ein Lied fängt an kannst du mich vergessen, dann falle ich raus und brauche so viel Kraft, bis ich den Faden wieder aufgenommen habe.

Bei Workouts kann ich zwar weitermachen, aber wenn jemand mit mir zu sprechen beginnt während ich planke, dann bin ich nicht mehr nett. Wirklich nicht.

Erst kürzlich hatte ich ein Gespräch mit Fab über die aktuelle Corona-Situation und die Kids zu Hause im Homeschooling. Ich fühle mich im Moment häufig zurückversetzt in die Zeit, als die Kinder klein waren, da es diese Inselmomente im Moment nicht gibt, in denen ich ganz alleine zu Hause bin und in meinem Tempo mein Ding machen kann.

Man wird also erwachsen als ADHS-Frau, hat seine Strategien entwickelt und seinen Rhythmus gefunden. Dann kommen die Babys und du kannst alles vergessen, weil das alles flöten geht. Erinnert ihr euch noch? Das erste Baby, die ersten paar Tage zu Hause und um drei Uhr nachmittags kommt dir in den Sinn, dass Mittagessen mal noch dran wäre. Und dann die Kleinkindphase, an der kein Tag planbar ist und sich alles ständig verändert. Es war eine gute Zeit. Ich wünschte, ich hätte sie mehr genossen, jedoch hatte ich wohl viel damit zu tun, den Kopf in dieser Zeit nicht komplett zu verlieren. Wenn ich heute zurückschaue, kann ich vielleicht etwas gnädiger mit mir sein...

Auch aktuell finde ich es sehr herausfordernd, wenn die Kinder zu Hause sind. Ich habe heute zu Fab gesagt: "Wenn die Kinder immer da sind, dann sind meine Fühler immer aussen, dann spüre ich mich viel weniger." Mir fehlen die Zeiten, in denen ich meine Aufgaben zu meinen Konditionen und in meinem Tempo machen kann. Wenn ich es so machen kann, gibt mir das ein beruhigendes Gefühl, es (eher) im Griff zu haben und zu meinen Sachen zu kommen. Das fehlt mir in diesem Setting. Seit einer Woche möchte ich diesen Blogpost schreiben, dabei wurde ich immer wieder unterbrochen, der Laptop wurde für e-Learning gebraucht oder die Website hat sich aufgehängt. Aber nun steht das meiste da. Hurra!


Ideen für ADHS-Mums während der Corona-Zeit

  • Am Abend darüber nachdenken, was man alles geschafft hat. Es ist mehr, als es sich anfühlt, ich wette!

  • Sich am Vormittag und am Nachmittag einen Moment timen (Wecker stellen und benennen), um für drei Minuten durchzuatmen und versuchen zu spüren, wie es geht, und was einem gut täte.

  • Wenn die Kids "versorgt" oder im Bett sind, 15 Minuten an einem Herzensprojekt arbeiten, ob man sich danach fühlt oder nicht.

  • Eine halbe Stunde vor den Kids aufstehen und in Ruhe einen Kaffee trinken, Yoga oder einen Mini-Workout machen.

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